Neustart – Wir wandern aus

„Schatz, die wollen mich kennenlernen!“ Als er diese Worte sprach, war ich mir sicher – es klappt! Ich hatte es im Gefühl. Weibliche Intuition – irgendwie. Ich wusste, das wenn er nächste Woche in den Flieger steigt, sich unser ganzes Leben verändern würde.

Wie so oft täuschte sich mein Gefühl nicht und so saßen wir dann einige Tage später gemeinsam auf dem Sofa und diskutierten. „Sollen wir es wagen?! Das ist schon ein riesen Schritt, oder?“ fragte er mich. „Na klar machen wir das! Wir machen das zusammen!“ sprudelte es aus mir raus. Habe ich das gerade wirklich gesagt?! Ich war selbst überrascht von meinem Mut. Aber warum nicht? Was soll schon schief gehen? Und wenn es schief geht, dann haben wir immer noch uns. So eine Chance bekommt man immer nur ein mal im Leben!

Man bereut nie, was man getan, sondern immer, was man nicht getan hat. (Marc Aurel)

Und von diesem Zeitpunkt an ging alles ganz schnell. Der Vertrag war im Briefkasten. Die Kündigungen für unsere alten Jobs wurde geschrieben und ich machte mich selbst auf Jobsuche. Sicherlich würden wir zurecht kommen, wenn ich erstmal Zuhause bleiben würde. Aber ich will mich in das Land integrieren, indem wir Leben werden. Ich möchte neue Leute kennen lernen. Und was mir persönlich sehr wichtig ist. Ich möchte mein eigenes Geld verdienen und meinen Teil zur Miete, Unterhalt, etc. beisteuern. Natürlich – wir sind bald Mann & Frau. Als Ehepaar sorgt man füreinander. Aber das heißt nicht, das ich seinen Dienstwagen fahre, die Wäsche wasche und seine Kreditkarte nutze. So sehe ich mich einfach nicht.

Es ist schon komisch, alles zurückzulassen. Familie, Freunde, Wohnung. Den Job, den man schon viele Jahr ganz sicher gerockt hat. Wir verlassen unseren sicheren Hafen für etwas ganz Neues. Unwissend ob es uns überhaupt gefällt. Meine Mutter hat schon immer gesagt „Bestimm irgendwann, du gehs auch weit weg. Ich weiß das“ (mit Philippinschem Akzent lesen). Das hatte sie mir schon oft gesagt. Sie ist damals mit 21 Jahren von den Philippinen nach Deutschland gekommen. Mütter haben sowas im Gefühl. Meine Mutter hatte schon öfter recht. Wiedermal weibliche Intuition oder eben Mütterliche Intuition.

Jetzt sitzt uns der Zeitplan im Nacken. Wir planen gleichzeitig unsere Hochzeit, unseren Umzug, unsere Flitterwochen und unsere Einwanderung. Es ist alles sehr viel. Aber wir wollten es so und irgendwie ist es auch typisch Tobi & Jenny.

Nun sitze ich hier. Zwischen all unseren Umzugskartons. Es fühlt sich so unecht an. Haben wir tatsächlich schon Juli?! Wo ist auf einmal die Zeit hin? Einen Karton habe ich provisorisch als Tisch umfunktioniert. Vor mir liegt mein neuer Arbeitsvertrag. Die Zeile mit meiner Unterschrift ist noch leer. Der Vertrag ist schon vor ein paar Wochen angekommen. Aber ich brauchte noch Zeit für die entscheidende Unterschrift. Nicht, weil ich einen Rückzieher machen will. Es ist, als wenn ich mit der Unterschrift den „Neustart“ Knopf drücke und wir nochmal alle Weichen neu stellen können. Neue Wohnung, neues Umfeld, neuer Job, neues Land.

Morgen früh kommt das Umzugsunternehmen und lagert unsere Möbel ein. Am Freitag wird geheiratet, dann geht’s in die Flitterwochen und in ein paar Wochen sitzen wir schon in unserer Übergangs – Air B’nB Wohnung in Zürich und blicken hoffentlich voller Stolz auf das zurück, was wir geschafft haben. Ich freue mich auf die Zeit die kommt, als frisch gebackenes Ehepaar und einem neuem Lebensabschnitt in der Schweiz.

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